Die Verkaufszahlen von Valves populärem Handheld Steam Deck sind in den vergangenen Wochen deutlich eingebrochen. Auslöser war die unerwartete Preiserhöhung im Mai 2026, die in der Community schnell als „RAMpocalypse“ bezeichnet wurde. Die unverbindlichen Preisempfehlungen stiegen dabei um 240 bis 300 US-Dollar. Neue Analysen zeigen nun, dass diese Maßnahme einen klaren und anhaltenden Effekt auf die Nachfrage hat.
Laut Auswertungen von Boiling Steam, das die Verkaufszahlen des Steam Deck anhand von Valves eigener Top-Sellers-Rangliste schätzt, ist der Handheld seit Anfang Juni aus den Top fünf herausgefallen und mittlerweile auf Platz 14 zurückgefallen. Das entspräche einem Rückgang der wöchentlichen Verkaufsvolumen um bis zu 82 Prozent.
Deutlicher Einbruch der Stückzahlen
Boiling Steam schätzt, dass das Steam Deck zuvor zwischen 11.000 und 18.000 Einheiten pro Woche verkauft hat. Aktuell sollen es nur noch 1.400 bis 3.000 Geräte sein. Trotz der deutlich höheren Preise führt das zu einem geschätzten Umsatzrückgang von rund 72 Prozent. Die Analyse basiert auf der Position des Steam Deck in der globalen wöchentlichen Top-Sellers-Liste von Steam, die nach Umsatz gewichtet ist. Ein Abrutschen um mehrere Plätze bedeutet bei diesem System einen massiven Rückgang der abgesetzten Stückzahlen.
Die Preiserhöhung selbst war erheblich. Das 512-GB-OLED-Modell stieg von 549 auf 789 US-Dollar, das 1-TB-Modell von 649 auf 949 US-Dollar. Valve begründete den Schritt mit gestiegenen Kosten für Speicher und weitere Komponenten. Für viele potenzielle Käufer lag der neue Preis jedoch jenseits der Schmerzgrenze, zumal das Gerät inzwischen mehrere Jahre auf dem Markt ist.
Wettbewerb wird stärker spürbar
Der Verkaufseinbruch fällt in eine Zeit, in der die Konkurrenz im Handheld-Segment spürbar zugenommen hat. Geräte wie das ASUS ROG Ally X liegen preislich in einer ähnlichen Region, bieten jedoch spürbar mehr Leistung. Solange diese Alternativen keine vergleichbaren Preiserhöhungen vornehmen oder Valve die Steam-Deck-Preise wieder senkt, rechnen Analysten damit, dass die Nachfrage auf dem aktuell niedrigen Niveau bleibt.
Viele Interessenten, die auf eine erneute Verfügbarkeit des Steam Deck gewartet hatten, zeigten sich nach der Preiserhöhung enttäuscht. Für ein Gerät, das bereits mehrere Jahre alt ist und in manchen aktuellen Titeln an seine Grenzen stößt, wirkte der Aufpreis von mehreren hundert Dollar für viele nicht mehr attraktiv. Die höhere Preiselastizität in diesem Segment hat offenbar dazu geführt, dass ein großer Teil der potenziellen Käufer absprang oder zu Alternativen wechselte.
Produktlebenszyklus und Erwartungen an einen Nachfolger
Neben dem Preis spielt auch das Alter des Steam Deck eine Rolle. Das Gerät befindet sich inzwischen weit in seinem Lebenszyklus. In der Community wird zunehmend lauter nach einem Steam Deck 2 gefragt. Valve hat bislang betont, dass ein Nachfolger erst dann kommen werde, wenn signifikante Leistungssteigerungen mit neuer Hardware möglich seien. Solange diese Ankündigung ausbleibt, bleibt das aktuelle Modell das einzige Angebot – und muss sich gegen deutlich leistungsstärkere Wettbewerber behaupten.
Interessanterweise bleibt die Nachfrage nach anderer Valve-Hardware, etwa der Steam Machine, laut Beobachtungen weiterhin stark. Das deutet darauf hin, dass der Markt für PC-Gaming-Hardware insgesamt weiter wächst. Die Konsumenten reagieren jedoch sehr preissensibel, sobald ein etabliertes Gerät wie das Steam Deck spürbar teurer wird, ohne dass gleichzeitig neue technische Vorteile hinzukommen.
Auswirkungen auf den Handheld-Markt
Der deutliche Rückgang der Steam-Deck-Verkäufe zeigt, wie empfindlich der Markt auf Preisveränderungen reagiert. Valve hatte mit dem Steam Deck lange ein starkes Preis-Leistungs-Argument. Durch die Erhöhung gerät dieses Argument ins Wanken, während gleichzeitig leistungsstärkere Geräte in ähnlichen Preisklassen verfügbar sind.
Ob sich die Verkäufe in den kommenden Monaten erholen, hängt von mehreren Faktoren ab: möglichen Preisanpassungen, der weiteren Entwicklung der Konkurrenz und vor allem von der Frage, wann Valve einen echten Nachfolger präsentiert. Bis dahin bleibt das aktuelle Steam Deck ein Gerät, das technisch noch solide funktioniert, aber durch den höheren Preis und das fortgeschrittene Produktalter an Attraktivität verloren hat.
Für Valve bedeutet der Einbruch einen spürbaren Dämpfer in einem Segment, das das Unternehmen lange dominiert hat. Für Käufer und die Community ist es ein klares Signal, dass auch etablierte Hardware-Produkte nicht vor den Auswirkungen gestiegener Komponentenpreise und eines intensiveren Wettbewerbs gefeit sind.