Du willst aufrüsten und traust beim Blick auf die Preise deinen Augen nicht. Die kurze Antwort: Seit Anfang 2026 herrscht eine globale Speicherkrise, weil KI-Rechenzentren den Großteil der weltweiten Speicherproduktion binden. Betroffen ist alles, was Speicherchips enthält – RAM, SSDs, Grafikkarten, Konsolen und Handhelds.
Es ist die teuerste Zeit für Gaming-Hardware seit der Chipkrise 2021. Diesmal ist der Auslöser aber weder Corona noch Krypto-Mining.
Was passiert ist
Es gibt weltweit im Wesentlichen drei Hersteller für DRAM: Samsung, SK Hynix und Micron. Zusammen decken sie über 90 Prozent des Marktes ab.
Mit dem KI-Boom entstand für diese drei ein neuer Absatzkanal, der deutlich lukrativer ist als Consumer-Speicher: hochmargiger Serverspeicher und HBM für KI-Beschleuniger. Die Unternehmen haben ihre Fertigungskapazitäten entsprechend umgeschichtet.
Schätzungen zufolge binden KI-Rechenzentren inzwischen rund 70 Prozent der Speicherproduktion. Was übrig bleibt, landet auf einem Markt, in dem Gamer, PC-Hersteller und Konsolenanbieter um dieselben Chips konkurrieren.
Das Ergebnis ist simpel: weniger Angebot, gleiche Nachfrage, deutlich höhere Preise.
Die Zahlen
Arbeitsspeicher: Laut PC Games Hardware haben sich DDR5-Module und -Kits seit Juli 2025 um mehr als 310 Prozent verteuert. DDR4 und DDR3 liegen bei rund 250 Prozent Aufpreis. Ein 32-GB-DDR5-Kit für unter 100 Euro gibt es nicht mehr – realistisch sind heute 280 bis 450 Euro.
SSDs: Gartner prognostiziert einen kombinierten Anstieg der DRAM- und NAND-Preise von 130 Prozent bis Ende 2026. NAND-Kapazität wird ebenfalls für Enterprise-Produkte reserviert.
Grafikkarten: GDDR6 und GDDR7 kommen aus denselben Werken. Karten wie die RX 9070 XT und die RTX 5070 Ti werden vielerorts über der Herstellerempfehlung gehandelt. Bei der RTX 5090 hat sich der Straßenpreis komplett von der UVP gelöst.
Konsolen und Handhelds: Valve hat die Preise für das Steam Deck OLED um bis zu 240 Euro angehoben, Nintendo verteuert die Switch 2.
Der Gesamtmarkt: Gartner rechnet damit, dass die durchschnittlichen PC-Preise dadurch um 17 Prozent steigen und die weltweiten Auslieferungen um rund 10 Prozent einbrechen – der stärkste Rückgang seit über einem Jahrzehnt.
Warum auch Grafikkarten betroffen sind
Das überrascht viele, ist aber logisch. Eine Grafikkarte besteht nicht nur aus dem Grafikchip, sondern auch aus mehreren Gigabyte schnellem Videospeicher – und der kommt aus denselben Fabriken wie dein Arbeitsspeicher.
Dazu kommt ein zweiter Effekt: Weil der Gaming-Markt für Nvidia und AMD derzeit weniger attraktiv ist als das KI-Geschäft, sinkt der Druck, neue Consumer-Produkte zu bringen. Nvidia hat den Super-Refresh der RTX-50-Serie auf unbestimmte Zeit verschoben und rechnet damit, dass Grafikkarten bis 2027 knapp bleiben. Auch günstige Einsteigermodelle werden verschoben oder durch aufgewärmte ältere Chips ersetzt.
Wie lange das dauert
Hier sind sich die Analysten ungewöhnlich einig – und die Nachricht ist unerfreulich.
TrendForce und 3DCenter gehen davon aus, dass die DDR5-Preise das gesamte Jahr 2026 auf Rekordniveau bleiben und der Höhepunkt erst gegen Jahresende erreicht wird. Nennenswerte Preissenkungen erwarten sie frühestens ab Mitte 2027. Manche Schätzungen reichen bis 2028.
Der Grund ist strukturell: Neue Fertigungskapazität entsteht vorrangig für KI-Speicher, nicht für Consumer-DDR5. Und die Fabriken, die das Blatt wenden könnten, existieren noch nicht.
Was das für dich heißt
Wenn dein Rechner noch läuft: Rüste gezielt auf, statt komplett neu zu bauen. Eine neue Grafikkarte oder SSD im richtigen Moment ist sinnvoller als ein kompletter Plattformwechsel.
Wenn du jetzt einen PC brauchst: Kaufe jetzt. Auf fallende Preise zu warten ist bei dieser Prognose keine Strategie, sondern nur eine Verzögerung zu wahrscheinlich höheren Preisen.
Rechne Fertig-PCs ernsthaft gegen. Der Eigenbau ist durch die RAM- und SSD-Preise nicht mehr automatisch günstiger, weil Systemanbieter im Volumen einkaufen.
Spare an den richtigen Stellen. PCIe Gen 5 bei SSDs bringt beim Spielen nichts, eine 4-TB-HDD kostet weiterhin unter 100 Euro, und teurer High-End-RAM bringt wenige Prozent.
Schau auf den Gebrauchtmarkt. SSDs verschleißen langsamer, als die meisten denken, und Grafikkarten der Vorgängergeneration sind derzeit eine ernsthafte Option.
Hamstern lohnt nicht. Spekulativ RAM auf Vorrat zu kaufen, geht in der Regel schief.
Fazit
Die Speicherkrise ist real, strukturell und nicht schnell vorbei. Sie trifft alle Komponenten gleichzeitig und macht 2026 zu einem der schlechtesten Jahre für PC-Käufer seit langem.
Ein starker Rechner ist trotzdem möglich – er verlangt nur mehr Planung als früher. Und vor allem verlangt er, das Geld dort auszugeben, wo es beim Spielen tatsächlich ankommt.
Alle Angaben Stand Juli 2026.